Wirtschaftswoche :: Skype trickst

23.04.2008

Skype trickst

von Markus Göbel

Die VoIP-Software ist so beliebt wie gefährlich.

Unter den inzwischen zahlreichen Möglichkeiten, Gespräche übers Internet zu führen, ist die Skype-Software ein Sonderfall. Denn anders als die meisten VoIP-Dienste setzt der Luxemburger VoIP-Pionier, der 2005 vom Online-Auktionshaus Ebay für 2,6 Milliarden Dollar übernommenen wurde, noch immer auf ein eigenes, geheimgehaltenes Übertragungsverfahren. Damit vermindert Skype die Gefahr, dass Anrufe abgehört werden. Zudem erlaubt es kostenlose Internet-Telefonate von PC zu PC sowie gebührenpflichtige (aber nur wenige Eurocent teure) Anrufe ins Festnetz und zu Mobiltelefonen – SkypeOut genannt.

Dafür können Anrufe von anderen, standardkonformen VoIP-Anbietern wie etwa Sipgate, Freenet oder 1&1 von dem Skype-Nutzern nur dann entgegengenommen werden, wenn diese den teuren Umweg über das reguläre Telefonnetz nehmen. Vorausgesetzt, der Angerufene besitzt eine gebührenpflichtige eigene Rufnummer bei Skype. Aus dem Festnetz eingehende Anrufe werden dann via Internet an jeweils den Computer übermittelt, an dem sich der Nutzer über seine Skype-Software angemeldet hat – sei es zu Hause, auf Reisen oder im Büro.

Letzteres treibt den IT-Verantwortlichen vieler Unternehmen die Sorgenfalten auf die Stirn. „Skype wird heute in vielen Unternehmen von den Mitarbeitern auf ihren Rechnern installiert – häufig ohne Abstimmung mit der IT-Abteilung“, erklärt Nicole Dufft, Geschäftsführerin von Berlecon Research. Weil die Installation des Programms sehr leicht ist und kaum in das Betriebssystem der PCs eingreift, funktioniert das oft sogar bei Computern, für die der Beschäftigte nur eingeschränkte Benutzerrechte hat.

Weil Skype sein Übertragungsverfahren geheim hält, können Unternehmen die Software nicht auf eventuelle Sicherheitslücken hin überprüfen. Zudem trickst Skype vorhandene Abwehrmechanismen aus, um sich an Firewalls vorbei mit dem Web zu verbinden. Unternehmen müssen deshalb fürchten, dass Mitarbeiter sensible Daten durch Telefonate und bei Datentransfers über die Internet-Telefonie möglicherweise nach draußen schleusen. Dagegen hilft fast nur ein Verbot des Programms oder die Installation komplizierter Programme zur Kontrolle des Datenverkehrs. Die aber müssen regelmäßig aktualisiert werden, weil Skype ständig neue Verschleierungsstrategien anwendet.

http://www.wiwo.de/technologie/skype-skype-trickst/5373192.html

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