Mein Traumprojekt: Hosted Skype-to-SIP (Skype2SIP)

Die besten Ideen entstehen angeblich aus Faulheit. Jemand hat keine Lust mehr, bestimmte Einschränkungen zu akzeptieren und erfindet etwas, damit er sich die Mühe sparen kann. Mir ging es ähnlich, als ich meine Kommunikationsinfrastruktur ansah: Mehrere Chat-Accounts bei ICQ, MSN, Yahoo und Google, über die man auch telefonieren kann, sowie sechs verschiedene Telefonnummern für Internet-Telefonie (Voice-over-IP) und einen Account bei Skype.

Die Internet-Telefonie funktioniert ganz wunderbar. Meine sechs verschiedenen Rufnummern habe ich aus den unterschiedlichsten Gründen und meine Telefonkosten konnte ich damit fast auf Null senken. Es gibt auch gar keine Verwirrung, weil immer das selbe Telefon klingelt, wenn jemand eine der Nummern anruft. Das Telefon ist an meinen lautlosen Internet-Router angeschlossen und funktioniert auch, wenn mein Computer ausgeschaltet ist.

Warum können die anderen Kommunikationsmethoden nicht genauso einfach zu bedienen sein?

Diese Frage brachte mich auf eine Idee:

FRAGE: Was nervt bei Skype am meisten?

Dass man immer online sein muss, um Anrufe zu empfangen. Dies ist nicht mehr nötig: mit Hosted Skype-to-SIP.

Hosted Skype-to-SIP ist eine Server-Anwendung. Der Nutzer gibt auf einer Website seine Zugangsdaten zu Skype ein sowie seine häusliche Telefonnummer, auf der er seine Skype-Anrufe empfangen möchte, wenn sein Computer ausgeschaltet ist. Eine Skypein-Nummer, für die man jeden Monat bezahlen muss, wird damit überflüssig.

Der Server loggt sich bei Skype ein und hält den Kontakt zu Skype. Sobald ein Anruf auf die Skype-Adresse des Nutzers eingeht, baut er über das SIP-Protokoll eine kostenlose Telefonverbindung zu der hinterlegten Telefonnummer auf. Das Telefon des Skype-Nutzers klingelt und er kann skypen, obwohl er gar nicht online ist.

Die Telefonverbindung vom Server des Dienstes Hosted Skype-to-SIP zum Telefon kann kostenlos sein, weil es in Deutschland Telefonflatrates für SIP-Telefonie gibt.

FRAGE: Was läuft auf dem Server?

Auf dem Server, der die Skype-Daten und die Telefonnummer entgegennimmt, welche der Nutzer auf der Website angegeben hat, laufen verschiedene VMWares. Jeder Nutzer bekommt also seinen eigenen virtuellen Computer, in welchem der Skype-Client und der SIP-Client installiert sind. Um die Lizenzkosten für die Software niedrig zu halten, ist das in der VMWare laufende Betriebssystem immer Linux.

Weil jedem Nutzer ein komplettes Betriebssystem zur Verfügung steht, können auch andere Dienste implementiert werden: GoogleTalk-to-SIP, MSN-Messenger-to-SIP und sogar Podcast-to-SIP oder Radio-to-SIP. Ausgabemedium ist immer das Telefon des Nutzers, ohne dass er seinen Computer einschalten muss. Die VMWare klinkt sich jeweils in Skype, GoogleTalk, MSN oder den Podcast ein und überträgt den Sound an den SIP-Client, der den Nutzer anruft, sobald er beispielsweise per Skype kontaktiert wird oder sein Lieblings-Podcast aktualisiert wurde.

FRAGE: Ist das technisch überhaupt möglich?

Falls es Probleme mit der Anbindung von Skype an den SIP-Client geben sollte, dann verwendet man in der VMWare einfach die Open Source Software "vsound". Sie spiegelt dem Skype vor, dass er seinen Sound gerade auf einer Hardware-Soundkarte ausgibt. Im Internet wird "vsound" beispielsweise benutzt, um RealAudio-Streams aufzunehmen, die eigentlich gar nicht mitgeschnitten werden dürfen. Der RealPlayer merkt davon nichts.

FRAGE: Geht das auch in die andere Richtung?

Das ganze funktioniert natürlich auch anders herum: Der Nutzer ruft eine Telefonnummer an und hört dort seinen Lieblings-Podcast oder kann Leute per Skype, GoogleTalk oder MSN Messenger erreichen, ohne dass er dafür seinen Computer einschalten muss. Die Vermittlung zu den einzelnen Services übernimmt ein Menu, das per Spracheingabe oder Telefontastatur gesteuert wird. Beispielsweise heißt es dort "Ihre Skype-Kontakte, die gerade online sind, heißen "mobiliser", "markus_goebel" und "Echo123". Drücken Sie 1 um mit dem Skype-Kontat "mobiliser" verbunden zu werden. Drücken Sie 2 um mit dem Skype-Kontat "markus_goebel" verbunden zu werden."

Doch diese Funktion ist gar nicht das wichtigste. Das beste ist, dass man immer per Skype erreichbar ist, ohne seinen Computer eingeschaltet zu lassen.

FRAGE: Lässt sich das um weitere coole Services erweitern?

Dadurch, dass für jeden Nutzer eine eigene VMWare eingerichtet wird, ist das System zukunftskompatibel. Alle möglichen kommenden Services können schnell implementiert werden: zuerst Skype, dann GoogleTalk, dann der Podcast und dann immer abgefahrenere Ideen, wie die folgende:

Beispielsweise wäre es auch möglich, einem deutschen Nutzer einfach eine peruanische lokale Telefonnummer zu besorgen. Dazu müsste nur ein weiterer SIP-Client in der VMWare laufen, der bei einem einem peruanischen SIP-Provider eingeloggt ist. Theoretisch wäre es sogar möglich, jedem Nutzer eine fast unbegrenzte Menge an lokalen Telefonnummern aus verschiedenen Ländern zu besorgen. Anrufe auf den verschiedenen Nummern werden alle zu seinem Telefon durchgeleitet. Der Vorteil: Seine Freunde aus aller Welt können ihn immer schön billig zur jeweiligen Ortsgebühr anrufen.

FRAGE: Geht aus auch aufs Handy?

Aber natürlich! Unter geschickter Ausnutzung von Handy-Flatrates wie BASE können auch alle Services auf das Handy umgeleitet werden. Man ist immer per Skype, GoogleTalk und MSN Messenger auf seinem Handy erreichbar, ohne dass man überhaupt ins mobile Internet gehen muss.

FRAGE: Hat Skype denn nichts dagegen, dass sein Skypein-Service damit überflüssig wird?

Ja, wahrscheinlich würde es die Firma Skype ziemlich stören und sie würden versuchen, den IP-Nummernbereich des Servers von Hosted Skype-to-SIP zu blockieren. Doch auch das kann man umgehen: Die VMWares auf dem Server verbinden sich mit Skype über das anonyme Proxy-Netzwerk TOR, so dass jeder Nutzer eine andere IP-Nummer aus einem anderen Land hat. Skype würde also gar nicht merken, dass alle Anmeldungen in Wirklichkeit vom selben Server kommen.

FRAGE: Werden die Leute einfach ihre privaten Anmeldedaten für Skype, GoogleTalk und MSN Messenger auf dem Server von Hosted Skype-to-SIP hinterlegen?

Auf jeden Fall! Sie bekommen ja auch einen super Service dafür. Wer seine Login-Daten für Skype und die anderen nicht preisgeben möchte, der richtet sich eben eine zweite Skype-Identität nur für Hosted Skype-to-SIP ein.

FRAGE: Wie finanziert sich der Service für den Betreiber des Servers?

Diese Frage lässt sich nicht ganz so leicht beantworten. Auf jeden Fall ist der Betrieb sehr billig, weil er mit Telefon-Flatrates und kostenlosen Software-Lizenzen erfolgt. Andere berühmte Services, wie beispielsweise YouTube, haben die Frage der Finanzierung bisher auch noch nicht geklärt. Sie haben im Vergleich zum hier beschriebenen Hosted Skype-to-SIP riesengroße Server-Kosten für ihr Video-Streaming und fast keine Einnahmen durch Werbung. Trotzdem wird YouTube gerade für 1,6 Mrd. Dollar an Google verkauft.

Die Finanzierung des hier beschriebenen Services Hosted Skype-to-SIP könnte durch Werbung erfolgen. Vorzuziehen ist aber der baldige Verkauf an eine andere Firma, die ihn in ihre Gesamtstrategie einbeziehen könnte. Ein Beispiel für einen potenziellen Käufer wäre ein großes Internet-Portal wie MySpace oder web.de. Dort würde der Service dafür sorgen, dass die Nutzer immer wieder auf die Website von MySpace zurück kommen, um ihre hinterlegte Telefonnummer zu ändern oder die in der Abwesenheit eingegangenen Nachrichten abzuhören. Außerdem würde dieser Service, der die Kommunikation extrem vereinfacht, allgemein die Coolness der jeweiligen Portal-Website erhöhen.

FRAGE: Kann die VMWare wirklich erfüllen, was hier beschrieben wird?

Das wird sich zeigen. Es muss auf jeden Fall eine Software-Lösung gefunden werden, welche die Brücke vom Skype und den anderen Diensten zum SIP schlägt. Wahrscheinlich muss man nicht einmal VMWare dafür einsetzen, sondern kann auf Lösungen wie MESSiX 1.0, CTS All-in-one Server oder den Uplink Skype to SIP Adapter zurück greifen. Das sind Softwares für IP-Telefonanlagen, die Skype mit SIP koppeln. Man müsste sie nur noch auf einem Webserver installieren.

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