01 – Das Magazin der CeBIT-Welt. Herbst 2005: Visionär und Egomane

01 – Das Magazin der CeBIT-Welt: Visionär und Egomane

Vor 20 Jahren: Steve Jobs präsentiert einen der ersten Apple Macs. Ihr Kennzeichen: Maus und grafische Benutzeroberfläche.

Von Markus Göbel

VOR DEM FINALEN RAUSSCHMISS steht nur mehr "Sibirien". So nennt Steve Jobs das abgelegene Büro, in das ihn 1985 John Sculley, der neue Boss, versetzt. Kein wichtiges Dokument landet mehr auf seinem Schreibtisch, kein Vorstand ruft mehr an. Der Rationalisierer John Sculley, den Jobs zwei Jahre zuvor selbst von Pepsi geholt hat, will Kosten senken. Dabei steht ihm der kreative, aber eigensinnige Gründer im Weg. Im August 1985 erklärt Sculley öffentlich, dass Steve Jobs "keine Rolle mehr bei der Leitung der Firma spielt".

Gerade ein Jahr ist es her, dass Jobs den ersten marktreifen Rechner mit grafischer Benutzeroberfläche und Maus vorgestellt hat ? den bahnbrechenden Apple Mac. Preis: 2495 Dollar. Anfangs radelt Jobs an Kaliforniens Stränden entlang, reist nach Paris und Italien. Doch schon 1986 gründet er die Firma NeXT Computers. Wie der Apple sind die Rechner von NeXT ihrer Zeit voraus, sie verkaufen sich aber schlecht ? nicht zuletzt wegen ihres hohen Preises. Geld verdient Jobs vor allem mit seiner Animationsfirma Pixar, die er dem "Star Wars"-Vater George Lucas abgekauft hat. Pixar spielt allein mit seinem ersten Spielfilm "Toy Story" 362 Millionen Dollar ein.

Jobs‘ Widersacher John Sculley verzettelt sich unterdessen mit einer Vielzahl von Produktlinien und muss 1993 gehen. Apple wird da schon als Übernahmekandidat gehandelt, der Ruf des Unternehmens, bei Design und technischen Innovationen führend zu sein, ist akut gefährdet. 1996 kauft Apple NeXT für 402 Millionen Dollar auf, um aus dessen Technik das neue Betriebssystem Mac OS X zu bauen, und bringt damit Steve Jobs erneut ins Spiel. Unter dem wiedereingesetzten Vorstand wird 1998 der bonbonfarbene iMac eingeführt, der wie kein anderes Produkt den fröhlichen Zeitgeist der New Economy trifft und den Konzern zurück in die Gewinnzone bringt. Mit weiteren Innovationen wie dem millionenfach verkauften MP3-Player iPod kreiert die Firma einen hochprofitablen Markt für Digital-Lifestyle-Produkte. Im Sommer 2005 gibt Jobs den "höchsten je erzielten Nettogewinn in der Geschichte von Apple" bekannt.

Erscheinungsdatum: 1. Oktober 2005

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