Microsoft Magazin 02/2002: An der Bar ins Web

Microsoft Magazin 02/2002, S. 54/55

An der Bar ins Web

Im Novotel Offenbach können Geschäftsreisende jetzt ohne Modem ins Internet gehen – 80-mal schneller und viel unkomplizierter als bisher. Von jedem beliebigen Ort.

Thomas K. H. Bittner ist ein viel beschäftigter IT-Berater und ständig auf Achse. Drei- bis viermal die Woche übernachtet er im Hotel. "Wenn ich nach einem Kundentermin ins Hotel komme und noch arbeiten muss, sitze ich lieber an der Bar", sagt er. Leider haben die meisten Bars keine Telefonsteckdose, in die Bittner sein Modem einstöpseln kann. Deshalb muss er doch allein auf dem Zimmer arbeiten. In einem seiner Lieblingshotels hat der Consultant, dem von Microsoft der Titel Most Valuable Professional (MVP) verliehen wurde, jetzt Abhilfe geschaffen: Im Novotel in Offenbach installierte Bittner über ein drahtloses Netzwerk, genannt Wireless LAN (WLAN), einen Breitbandzugang ins Web.

Verkehrsgünstig zwischen Frankfurt und Offenbach in unmittelbarer Autobahnnähe gelegen, beherbergt das Novotel Offenbach mit seinen 119 Zimmern zu 70 Prozent Geschäftsreisende, die auch die sieben Tagungsräume nutzen. Weil immer mehr Gäste unterwegs arbeiten müssen und E-Mail-Kontakt zu ihrer Firma halten wollen, stellte sich immer häufiger die Frage: Wie lässt sich im Hotel der Onlineanschluss bewerkstelligen?

Thomas Dröscher, General Manager des Novotel, kennt die Problematik: "In den heutigen Hotels herrscht in Sachen Internet eine unüberschaubare Vielfalt – technisch wie organisatorisch. Das fängt schon beim Anschluss im Hotelzimmer an und setzt sich über die Telefonanlage und gesonderte Büroangebote fort. Dazu kommen nicht selten geringe Übertragungsleistungen, und der Gast erhält bei Problemen auch keine Hilfe. Kein Wunder, dass viele Geschäftsreisende lieber auf den teuren und langsamen Datenverkehr über ihr Mobiltelefon zurückgreifen."

Der Hotelmanager wollte deshalb seinen Gästen mit einem ortsunabhängigen Web- Zugang mehr Komfort bieten. Ein Partner für die Verwirklichung dieser Vorstellung fand sich fast von selbst: die Online GmbH aus Hanstedt. Thomas Bittner, Senior Consultant bei dem Microsoft Certified Partner, steigt nämlich regelmäßig im Novotel ab.

Die Technik der WLAN-Zugänge ist simpel: Zentraler Bestandteil eines Funknetzwerks ist eine Reihe von Sendern. Sie werden in den Gebäuden oder im Freien installiert und sorgen für die Verbindung ins Netz. Die Reichweite eines solchen "Hotspots" liegt zwischen 30 und 100 Metern in Gebäuden. Im Freien erreicht sie mehrere hundert Meter. Die Übertragungsgeschwindigkeit beträgt bis zu 11 Megabit und ist damit 80-mal schneller als eine ISDN-Verbindung. So lässt sich sogar ruckelfrei übers Web fernsehen.

Wie sich im Novotel bereits während des Probebetriebs zeigte, erfüllt das Netzwerk alle Erwartungen an die Benutzerfreundlichkeit: Kabelanschlüsse und Modemkonfiguration gehören der Vergangenheit an. Die unauffälligen Sendestationen von Cisco, schwarze Büchsen mit zwei kleinen Antennen und einer grünen Kontrolllampe, sind auf jeder zweiten Etage im Treppenhaus angebracht. Oder hinter Zwischendecken.

Für den Zugang in die Welt des Webs zahlen Gäste eine Tagespauschale von 12 Euro. Ein durchaus moderater Preis, findet Bittner. Andere Hotelketten berechnen für denselben Service 30 Euro und mehr.

Um ins Netz zu kommen, müssen die Gäste bei ihren mitgebrachten Laptops auch keine komplizierten Einstellungen vornehmen. An der Hotelrezeption können sie Funkmodems in Form von PCMCIA-Steckkarten mieten. Die Karte muss lediglich in den dafür vorgesehenen Steckplatz des Notebooks geschoben werden, und schon ist der Gast an jedem Punkt des Hotels online. Falls der Rechner bereits eine Steckkarte für Funknetzwerke besitzt, baut sich die Verbindung nach dem Einschalten automatisch auf, selbst wenn der Laptop bisher für eine andere Internetverbindung eingerichtet war.

Natürlich stellt sich bei Funknetzwerken, die hauptsächlich von Geschäftsleuten genutzt werden, die Frage nach der Sicherheit. In Offenbach werden alle Daten innerhalb des Netzes verschlüsselt übertragen, der 128- Bit-Schlüssel wechselt im Minutentakt. Normalerweise wenden nur Banken so hohe Verschlüsselungen an, um ihr Online Banking abzusichern. Zudem verhindert das System, dass die Computer der Hotelgäste untereinander kommunizieren und so Hackerangriffe innerhalb des Netzes gestartet werden.

Nachdem das Netzwerk bereits einige Wochen läuft, sollen nun auch die Angestellten des Novotel den Service nutzen, um ihre Arbeit effektiver zu gestalten: Bisher zieht die Hausdame mit Zettel und Stift über die Gänge und schaut, welche Zimmer bereits geputzt sind und weitervermietet werden können. Sind zehn Zimmer beisammen, geht sie an den PC in ihrem Büro und verzeichnet sie als frei. Ein zeitaufwendiges Verfahren. Demnächst soll die Dame mit einem Minicomputer losziehen und freie Zimmer direkt nach Abnahme drahtlos der Zentrale melden.

IT-Berater Thomas Bittner kann unterdessen schon auf der sonnigen Hotelterrasse sitzen und seinen Bericht an die Firmenzentrale in der Lüneburger Heide schicken.

> MARKUS GÖBEL

"15 000 Euro für eine Komplettinstallation"

Interview mit Thomas K. H. Bittner, Senior Consultant bei der Online GmbH, über die Einrichtung von drahtlosen Internetzugängen in Hotels und Pensionen.

Microsoft Magazin: Wie weit ist die Wireless-LAN-Nutzung im Hotelbereich fortgeschritten?
Thomas K. H. Bittner: Der Markt entwickelt sich bisher noch langsam, weil die meisten Hotelgäste diesen Service noch nicht kennen. Je mehr Zugänge es jedoch auf Flughäfen, Bahnhöfen und in Hotels gibt, umso mehr Reisende werden auch ihr Wireless LAN Equipment unterwegs nutzen. Dabei wird es wichtig sein, dass der Reisende nicht für jeden Hotspot einen neuen Login braucht, sondern eine zentrale Abrechnung das Roaming ermöglicht. Das neueste Projekt der Online GmbH bietet genau das: Der Kunde identifiziert sich mit denselben Zugangsdaten an allen teilnehmenden Hotspots, egal von welcher Firma sie sind.

Welche Vorteile bietet der drahtlose Internetzugang für den Hotelgast?
Ich übernachte sehr oft in Hotels. Weil viele unserer wichtigsten Kunden im Raum Frankfurt sind, bin ich in den letzten Jahren fast ausschließlich im Novotel Offenbach abgestiegen. Dort konnte man sich, wie in vielen Hotels, bisher nur über Telefon ins Internet einwählen. Die Übertragungsraten waren ziemlich gering, wie das bei Modems üblich ist. Außerdem musste ich an der Telefonsteckdose in meinem Zimmer bleiben. Deshalb habe ich dem General Manager Thomas Dröscher einen drahtlosen Internetzugang vorgeschlagen, um seinen Gästen einen besseren Service zu bieten.

Wie teuer ist ein drahtloser Internetzugang?
Die Kosten für ein Hotel von der Größe des Novotel betragen ungefähr 15 000 Euro für eine Komplettinstallation. Die Software stellen wir als Application Service Provider bereit, und das Hotel erhält von den Einnahmen eine Provision.

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Internet: Alles über Wireless- Technologien mit Microsoft Produkten erfahren Sie auf unseren englischsprachigen Internetseiten. Sie können dort außerdem die ausführliche Novotel-Fallstudie zum Thema einsehen. Die Seiten finden Sie, wenn Sie die folgende Adresse anklicken:
www.microsoft.com/germany/business/magazin/maerkte

"In Sachen Internet herrscht in Hotels eine unüberschaubare Vielfalt."
Thomas Dröscher, General Manager, Novotel Offenbach

STICHWORTWIRELESS LAN

Drahtlose Internetzugänge werden im Branchenjargon Hotspots genannt. Besonders setzt sich der Datenfunkstandard IEEE 802.11b durch. Weil niemand sich das komplizierte Kürzel merken kann, nennt man ihn auch Wi-Fi, was für Wireless Fidelity steht, in Anlehnung an den Begriff Hi-Fi. Wi-Fi sendet im Spektrum von 2,4 Gigahertz. So können in Gebäuden Strecken von 30 bis 100 Metern überbrückt werden und im Freien 400 Meter. Bei der Datenübertragung erreicht Wi-Fi eine Geschwindigkeit von 11 Megabit pro Sekunde. Diese Bandbreite reicht für alle gängigen Web-Anwendungen. Trotzdem arbeiten Entwickler bereits an neuen Standards, die bis zu 72 Megabit pro Sekunde ermöglichen.

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