WirtschaftsWoche e-Business 08/2001: Partnersuche

WirtschaftsWoche e-business 08/2001, S. 60/61, 05.04.2001

Partnersuche

>>> KOOPERATIONEN. Als Einzelkämpfer haben Dot-Coms kaum eine Chance. Mit den richtigen Teams kommt der Erfolg.

Wer möchte nicht gern mit Bill Gates in einem Boot sitzen? Ebay hat auch das geschafft. Mitte März gaben Steve Ballmer, Chief Executive Officer von Microsoft, und Ebay-Chefin Meg Whitman eine Allianz bekannt, von der beide Seiten profitieren. Ebay wird in Zukunft verstärkt Microsoft- Produkte einsetzen, dafür will die Gates-Company auf ihren Web-Seiten einen direkten Zugang zu Ebays Handelsforum ermöglichen – das wird den Online-Auktionären zahlreiche neue Kunden bringen.

Das Beispiel zeigt, wie Dot-Coms von einer Partnerschaft profitieren. Experten wie Gerhard Schwartz von der Unternehmensberatung Cap Gemini Ernst & Young wissen, dass "funktionierende Partnerschaften für Startups und Dot-Coms von existenzieller Bedeutung sind".

Aber wie findet eine junge Internet-Firma den richtigen Partner? Vom Joint Venture über eine Beteiligung bis hin zum Verkauf gibt es viele Möglichkeiten, sich zu verbünden. So schlüpfen Dot-Coms, die knapp bei Kasse sind, oft bei einem Großen unter, wie zuletzt der Spielzeugversender Mytoys beim Otto Versand. Otto brachte nicht nur dringend benötigten Cash, sondern auch Erfahrung im Einkauf, in der Versandlogistik und im Marketing.

Eine für die Gründerszene typische Form der Partnerschaft ist die "Sweat Equity". Dabei kassieren Technikanbieter wie Living Systems Firmenanteile von Startups, weil sie ihnen – im Schweiße ihres Angesichts – eine technologische Plattform programmieren. Etwas kniffliger als Technikallianzen sind Partnerschaften im operativen Geschäft. "Sie hängen von der Geschäftsidee ab", sagt Cap-Gemini-Experte Schwartz. Ein kleines Startup wie Zooplus, das im Internet mit Haustierbedarf handelt, muss sich bei der Auslieferung beispielsweise auf die Post oder den German Parcel Service verlassen.

Hans Cornehl, Principal beim Risikofinanzierer Earlybird, hat noch einen anderen Tipp parat: "Wichtig ist, dass die Leute menschlich zusammen – passen."

Oliver Wihofszki, Markus Göbel

Checkliste Allianzen

>> Suchen Sie für das operative Geschäft Partner, die so schnell reagieren können, wie Sie Ihre Entscheidungen treffen.

>> Wählen Sie einen Technikpartner, der sich bereits bei anderen Internet-Firmen einen guten Ruf erarbeitet hat. Er sollte alle technischen Probleme lösen.

>> Schließen Sie nur Allianzen, die Ihnen neue Kundenschichten erschließen oder technische Probleme lösen helfen.

>> Allianzen mit Dot-Coms, die mit der gleichen Geschäftsidee arbeiten, bringen keinen Fortschritt fürs Geschäft, sondern verkleinern nur das Feld der Mitbewerber und Konkurrenten.

>> Bekannte Partner stärken das Image Ihrer Firma.

>> Achten Sie auf klar formulierte und wasserdichte Verträge.

>> Verbünden Sie sich mit Unternehmen, die über eigene Venture-Capital-Abteilungen verfügen.

>> Achten Sie darauf, dass Sie sich auch menschlich gut mit Ihrem Geschäftspartner verstehen.

Glück und Pech bei der Partnerwahl

Glück hatte Mercateo. In nur drei Monaten konnte der Internet-Büromittelhändler seine Kundenzahl verdreifachen, weil jetzt 1 800 Kundenberater der Mutterfirma Eon beim Vertrieb helfen. Trotzdem behielt das Gründerteam die volle Kontrolle über die Unternehmensstrategie. Genau in diesem Punkt müssen die Gründer von Webmiles Abstriche machen. Sie bekamen von Bertelsmann einen neuen Vorstand vor die Nase gesetzt und verloren Vorstandsmitglied Loretta Würtenberger.

Advertisements
Veröffentlicht in Artikel, Deutsch
Archive
%d Bloggern gefällt das: